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Was war denn Ihre erste Reaktion, als Sie hörten Sie sollen am Anfang des 21. Jahrhunderts in einem Stummfilm spielen?
Frankas Kunst besteht darin, dass sie die seltsamsten Vorschläge sehr schlüssig vermittelt, egal ob sie als Schauspielerin, als Regisseurin oder als Buchautorin arbeitet. Sie lässt das Absurdeste ganz realisierbar und natürlich erscheinen. Und dann haben wir schon zwei Monate vor dem Dreh Probeaufnahmen mit dem Kameramann Frank Griebe gemacht, bei denen es um die technische Umsetzung ging, aber auch darum wie wir spielen. Da konnten wir viel ausprobieren und haben unsere anfängliche Scheu schnell verloren. Sie hat uns einen Teppich bereitet, auf dem wir ganz selbstverständlich laufen konnten. Wir haben gespürt, dass wir uns da nicht lächerlich machen, und als Schauspieler weiß man ja auch, dass man mit Blicken sehr viel mehr ausdrücken kann, als mit einer gesprochenen Zeile.
Im Gegensatz zu den anderen arbeiten Sie ja auch sehr häufig am Theater, haben Sie das als ähnlich empfunden?
Das ist ein guter Vergleich, im Zweifelsfalle haben wir ja alle wie „Rampensäue“ gespielt, geradeaus nach vorne zum Publikum. Wir haben uns nie weggedreht, sondern mussten immer nach vorne zur Kamera, zum Licht spielen.
Was war für Sie der wichtigste Anhaltspunkt, den Franka Potente Ihnen gegeben hat?
Sie hat uns viele Filme und auch Photos gezeigt, und mit jedem über die Rollen gesprochen. Eine große Hilfe waren die Probeaufnahmen, aber auch dass sie später beim Drehen immer reingerufen hat, uns angefeuert oder geführt hat. Das Fehlen des Tones hat uns allen große Freiheiten gegeben, auch bei den Regieanweisungen!
Die Gesichter der Schauspieler waren sehr weiß geschminkt, was in der farbigen Wirklichkeit noch viel stärker wirkt als im schwarzweißen Film: Wie haben Sie diese Maske empfunden?
Das war eine große Hilfe, weil man geschützter ist. Ohne diese Maske und auch die knallbunten Kostüme wäre uns allen dieses übertriebene Spiel sicher viel schwerer gefallen. Schon bei Interviews oder auch beim Casting hat man ein viel besseres Gefühl, wenn man vorher noch mal abgepudert wurde, oder eine Mütze oder Brille trägt, hinter der man sich verstecken kann. Die kleinsten Details schaffen eine Distanz, und damit auch eine größere Sicherheit.
Sie waren zusammen mit Franka Potente auf der Schauspielschule, sie haben immer wieder zusammen gedreht und haben letztes Jahr gemeinsam ein Buch geschrieben. Sie sind einen langen Weg gemeinsam gegangen, was für ein Gefühl ist es da, wenn plötzlich einer auf der anderen Seite der Kamera steht?
Wir haben ja immer sehr verschiedene Positionen und unterschiedliche Rollen gehabt, einer hat groß gespielt, einer klein, und auch bei dem Buch, das wir zusammen gemacht haben, hatte jeder seinen Bereich, für den er verantwortlich war. Und jetzt ist sie eben Regisseurin und damit der Kapitän und ich habe meine Arbeit als Schauspieler. Die Atmosphäre am Set war sehr gelassen, Franka ist nie Diktatorin, sondern immer Vermittlerin, egal ob sie nun Schauspielerin oder Regisseurin ist. Gleichzeitig ist sie sehr zielstrebig, ein sanfter Kapitän sozusagen. Es gab ja eine ganze Reihe von Leuten, die Franka bereits als Schauspielerin erlebt haben, Ingrid Burmann, die Kostümbildnerin, war mehrmals ihre Garderobiere, und Frank Griebe ihr Kameramann bei den Filmen von Tom Tykwer. Sie wurde von allen ganz selbstverständlich als Regisseurin akzeptiert. Und durch ihre eigene Erfahrung als Schauspielerin hat sie ein ganz feines Gespür für die Gefühlsschwankungen von Schauspielern, sie riecht es förmlich, wenn jemand Schwierigkeiten hat oder zumacht. Das war ein ganz besonderer Dreh.
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